Kohlenstaubfest im Bahnbetriebswerk

Es ist irgendein Tag in irgendeinem Sommer in irgendeinem Bw im Osten Deutschlands. Ist es Senftenberg, ist es Arnstadt, vielleicht sogar Dresden Altstadt? Letzteres wäre ja immerhin bekannt für Dampflokfeste.

Heute aber ist ein ganz besonders Treffen geplant: Alle Kohlenstaublokomotiven aus der gesamten Republik sollen zusammenkommen. Nun ist das ja eigentlich gar nicht möglich, schließlich sind sie nie alle gleichzeitig vorhanden und betriebsbereit gewesen.

Erinnern wir uns: Bereits vor dem Krieg gab es einige Versuche, einige 56er und einige 58er liefen mit AEG- oder mit STUG-Feuerung – mehr oder weniger erfolgreich. Dann wurde 05003 erstellt, die nun weniger erfolgreich. Sie überlebt den Krieg bereits umgebaut und gewendet als normale, mit Stückkohle gefeuerte Lok. (oder doch nicht?)

 

In der jungen DDR mußte Brennstoff gespart werden, Steinkohle war nicht genug da und die vorhandene Braunkohle ließ die Roste zu schnell verschlacken. Neben dem toten Feuerbett wurde auch die Feuerung mit Braunkohlenstaub erfunden, Ingenieur Wendler setzte alle seine Kraft dafür ein. Versuche liefen mit 031087, mit dem DT59, von dem es noch nicht mal mehr ein brauchbares Bild gibt, umgerüstet wurden zwei französische Loks zur 071001 und 081001, Versuche liefen auf 36457 mit einem von Kurt Pierson umgebauten Pralltender, wo Briketts direkt auf der Lok zu Staub verarbeitet wurden, H45024 bekam einen LaMont-Kessel und fuhr damit wohl nie mehr als 10 km. Sie und 581346 bekamen hinter dem Führerhaus eine Art Staubbunker, von dem aus der Staub in den Verbrennungraum gefördert wurde und schließlich kam mit dem Wendlerschen System der Staubaustragung der große Durchbruch: 17er, 58er, 44er und 52 liefen zur großen Zufriedenheit bis in die späten 70er Jahre mit Kohlenstaubfeuerung. Die beiden 25er erreichten nicht das Ziel, das für sie vorgesehen war, nämlich all die P8 usw zu ersetzen – das erledigten dann eher die 23er, und die 651004, die kurzzeitig mit Kohlenstaubfeuerung ausgerüstet war, erfüllte wohl auch nicht die Erwartungen, die in sie gesetzt waren. Aber es gibt kein eindeutiges Bild von ihr und auch keine weitergehenden Berichte.

Und doch kommen sie alle zu einem Fest zusammen. Als Modelle, die die gesamte Kohlenstaubgeschichte dokumentieren wollen:56aeg.jpg (74822 Byte)

Beginnen wir in der Vorkriegszeit: 56...., erstellt aus einem Umbausatz von Thonfeld macht den Anfang, sie wird ergänzt durch 05003, die sich hier noch in einer Umbauphase zeigt. Im Hintergrund übrigens ist der Erstausdruck des gezeichneten Ätzfilms auf Karton zu sehen, ein Hilfsmittel, mit dem man sich ganz gut an die endgültigen Filme herantasten kann - ohne viel Materialaufwand. Das tendergehäuse muss noch ans Arnold-Fahrgestell angepasst werden, es ist ein Guss von unbekannt, den ich mal auf einem Eisenbahnmarkt gefunden habe.
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Aus der ersten Nachkriegszeit grüßen dann die Piersonsche Pralltender-36457, entstanden aus einer Arnold 36er, verändert durch einen eigens auf einem Fleischmann-Güterwagendrehgestell erstellten umgebauten Floridsdorf-Steifrahmentender und ergänzt durch die netten kleinen Windleitbleche.
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Ihr folgt der DT59, ursprünglich geliefert von Helge---Modellen in Berlin und ergänzt durch einen Messingbausatz unbekannter Herkunft von einem Beiwagen, der aber dem einzigen brauchbaren Bild, das existiert, in etwa entspricht. Dieser Dampftriebwagen, man weiß wirklich fast nichts über ihn, diente wohl Wendler zu ersten Erkenntnissen seiner Staubaustragung. Dainter ist die 651004 sichtbar, die noch den alten Vorwärmer trägt und noch keinen Sanddom auf dem Kesselscheitel hatte.
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Nach diesen ersten Versuchen stellt sich dann die 581346 dar, die Kammeraustragung besitzt, erkennbar durch die huckepack hinter dem Führerhaus hängende Staubkammer. Im Vorbild ist sie entstanden aus einer alten STUG-Lok, im Modell rollt sie auf dem Fahrgestell einer Hobbytrain-57er mit einem kh-Modellbau-Kessel und dem umgebauten Tender einer 05 von Arnold.
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Nach dem gleichen Prinzip sollte die LaMont-Lok H45024 befeuert werden. Sie stellt sich hier noch in der Umbauphase dar, ergänzt allerdings um einen 2'2'T34-Tender sowie eine 74er zum Dampfmachen. So etwa soll die Versuchsanordnung bei der zweiten der beiden Probefahrten ausgesehen haben. Im Modell hat diese Lok keinen Antrieb, was sehr vorbildgerecht ist. Zur Erinnerung: Ihr Nachläufer und die Zylindergruppe diente später dem Aufbau der 18201. Ihr Torso ist im Hintergrund des Bildes von der 36er weiter oben zu sehen.

Schauen wir uns als nächstes die beiden Neubauloks an, gefolgt von der 651004. Während letztere - eher liederlich umgebaut - entstand aus einer Piko 65er, entstanden die beiden 25er im völligen Selbstbau. Blechrahmen, Arnold-Räder und Arnold-55er-Steuerung sowie Plexiglasrohrkessel und – bei 251001 Selbstbau-Neubau-Wannentender geben sie ganz gut wieder. 251002 hat einen Roco-2'2'T34, zum Kohlenstaubtender umgebaut, was dem Vorbild ziemlich genau entspricht. Der Antrieb ist in der Lok, der Motor nach Arnold-Vorbild im Tender.
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Als nächstes stehen zum Betrachten bereit 071001 und 081001. Erstere entstand aus einer Rivarossi-Lok bereits vor fast 20 Jahren, sie wurde ausgestattet mit einem Fleischmannwannentender und dem Kohlenstaubtenderumbausatz von ..., der heute bei KH-Modellbau zu haben ist. Die zweite entstand wieder im völligen Selbstbau und hat keinen Antrieb, was insofern ziemlich vorbildgetreu ist, als sie mehr stand als fuhr.
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Nun folgt ein Unikum, das in mancher Weise Aufsehen erregt hat: 171119. Manche behaupten, sie sei blau angestrichen gewesen, tatsächlich war aber wohl nur das auf der Rauchkammertür angebrachte Flügelrad blau. deshalb erscheint sie auch auf diesem Kohlenstaubfest als Blauer Engel, obwohl das Flügelrad noch fehlt. Sie ist umgebaut aus einer Mintrix 17er (mit versetztem Antrieb, denn die meisten Kohlenstaub-17er waren welche mit dem Antrieb auf der 2. Kuppelachse) und einem umgebauten Kondenstender von KH-Modellbau, denn der normale, für Stückkohlenfeuerung sieht im Mittelbereich etwas anders aus. Der Antrieb sitzt im Tender und ist einer MT 54er gestohlen, die seither nur noch in Doppeltraktion mitfahren kann.
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Gleich anschließend sollte ein weiteres Unikum direkt von der Leipziger Messe 1954 auf unser Fest kommen: 171104, mit ihrem Kohlenstaublanglaufwagen, schwarz, fensterlos und nur von kurzer Dauer. Diese Kombination soll irgendwann im September 1954 ohne Wassernehmen und ohne Bekohlung und ohne Ausschlacken von Gutenfürst bis nach Rügen und zurück gefahren sein. Nur nötig war es nicht, daher blieb sie nicht lange in dieser Kombination, zumal jedes Drehen ein Auseinandernehmen bedeutet hat. Leider gibt es außer von der Messe auch kein Betriebsbild dieser Lok in dieser Kombination. Da sie bislang nicht erschienen ist, wird man wohl auch hier noch kein Photo machen können.

Weiter geht der Reigen mit einer normalen Kohlenstaub-17er, mit umgebautem preußischen Tender, im Schlepptau einen Kohlenstaubwagen, der als zusätzliches Reservoir auch in Reisezügen oft mitgeführt wurde und so den Aktionsradius vergrößerte.
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Weiter stellen sich den neugierigen Blicken noch eine Kohlenstaub 44er mit Wannentender, eine mit umgebautem 2'2'tT34 und eine Kohlenstaub-52er mit Wannentender, die übrigens als einzige wirklich erhalten ist (524900 der Arbeitsgruppe Kohlenstaub am Bw Halle P). Die beiden letzten umgebaut aus Roco 44er bzw Minitrix 52er.
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Alle Loks erhielten die für die Staubförderung notwendigen zusätzlichen Pumpen, oft neue Steuerungen und viele andere Kleinbauteile, die von KH-Modellbau zu bekommen ist.

 

Wird fortgesetzt und ergänzt......